Psychotherapie Meerbusch – Ismeta Radaj

Selbstwert und Selbstwirksamkeit: Wie inneres Wachstum entsteht

In meiner Praxis höre ich oft Sätze wie: „Ich weiß es hat etwas mit meinem Selbstwert zu tun und daran möchte ich arbeiten – es fühlt sich an als hätte ich gar keinen.“


Und dieses Gefühl kann sich sehr real anfühlen – als würde etwas in einem fehlen, das eigentlich selbstverständlich da sein sollte.

 

Doch Selbstwert ist nichts, was du hast oder nicht hast. Er ist eher wie ein innerer Gefühlsboden in dir. Manchmal trägt er dich stabil und ruhig, manchmal fühlt er sich weich an, unsicher oder ein wenig löchrig – je nachdem, welche Erfahrungen du gemacht hast und wie du gelernt hast, dir selbst zu begegnen.

 

Und genau dieser innere Boden ist nichts Starres. Er entsteht, wächst und verändert sich.

Wenn Du spürst „Ich kann etwas verändern“

Unser Selbstwert entsteht aus mehreren Quellen – aus dem Zusammenspiel von Selbstwirksamkeit, Beziehungserfahrungen und der Art, wie wir innerlich mit uns selbst in Kontakt sind.

Besonders die Selbstwirksamkeit spielt dabei eine wichtige Rolle, weil sie eine große Hebelwirkung haben kann. Sie zeigt sich in diesem leisen inneren Gefühl: Ich kann etwas bewirken.

Nicht im Sinne von Perfektion oder Kontrolle über alles, sondern eher im Erleben: Wenn ich etwas tue, passiert etwas. Wenn ich einen Schritt gehe, bewegt sich etwas in meinem Leben.

 

Oft entsteht dieses Gefühl in ganz kleinen Momenten. Wenn Du etwas ausprobierst, obwohl Du unsicher bist. Wenn Du dranbleibst, obwohl es schwierig wird. Oder wenn Du später zurückschaust und merkst: Ich habe das geschafft.

 

Manchmal wurden solche Erfahrungen schon früh geprägt – durch Menschen, die Dich ermutigt haben, die Dir erlaubt haben, Dinge auszuprobieren, ohne dass alles sofort richtig sein musste. Und genau dort beginnt dieses innere Vertrauen zu wachsen.

 

Wenn Du wiederholt erlebst, dass Dein Handeln eine Wirkung hat, entsteht etwas Tieferes in Dir.

Du beginnst zu spüren: Ich bin nicht machtlos. Ganz im Gegenteil, ich hab es in der Hand und kann es selbstwirksam verändern. 

Und aus diesem Erleben wächst langsam dein Selbstwert. Du erlebst Dich als jemand wirksam sein kann.

So wird Dein innerer Boden nach und nach tragfähiger. Nicht plötzlich stabil, aber Schritt für Schritt ein bisschen fester.

ICH-Stärkung, wenn Dein inneres Ich stärker wird

In der Ego-State-Arbeit spricht man oft von Ich-Stärkung.

Gemeint ist damit ein innerer Prozess, in dem du dich selbst klarer wahrnimmst – als jemanden, der fühlt, entscheidet, Grenzen spürt und Bedürfnisse hat. Mit der Zeit entsteht dadurch mehr innere Orientierung:
Was tut mir gut? Was nicht? Wo bin ich bei mir?

 

Und manchmal beginnt genau hier etwas sehr Sanftes: Du lernst, Dich innerlich mehr zu halten, statt Dich nur von außen halten zu lassen.

Kleine Schritte im Alltag, die Dich stärken können

Es lohnt sich für ein paar Momente bewusst  hinzuschauen:

 

  • Wo habe ich in meinem Leben schon etwas geschafft, auch wenn es klein war?
    Oft sind es genau diese unscheinbaren Momente, die zeigen, dass in Dir sehr wohl Handlungskraft steckt.
  • Manchmal hilft es auch, Dir kleine, erreichbare Schritte zu setzen – nicht um Dich zu fordern, sondern um wieder zu spüren: Ich komme voran. Ich kann Dinge in Bewegung bringen.
  • Und vielleicht darfst Du Dich auch vorsichtig in Neues hineinwagen, nicht zu groß, sondern so, dass es noch machbar bleibt. Genau dort entsteht oft dieses leise Gefühl von Selbstwirksamkeit im Alltag.
  • Auch die Menschen um Dich herum spielen dabei eine Rolle. Es macht einen Unterschied, ob Du Dich gesehen und unterstützt fühlst oder eher klein gehalten wirst. Dieses Umfeld wirkt oft tiefer, als wir bewusst merken.
  • Und genauso wichtig ist der Blick nach innen:
    Wie sprichst Du mit dir selbst?
    Welche Stimme begleitet dich durch deinen Alltag? Und könnte diese Stimme ein bisschen sanfter werden – nicht perfekt positiv, sondern einfach weniger hart?

Vielleicht beginnt Ich-Stärkung genau dort, wo Du wieder lernst, Dir selbst zuzuhören. Nicht nur funktional, sondern echt. Mit dem, was Du brauchst, was Dir fehlt und was Dich nährt.